Digita­li­sierung von Arbeits­pro­zessen: Schritt für Schritt

Wie kann die Digita­li­sierung von Arbeits­pro­zessen im eigenen Unter­nehmen erfolg­reich voran­ge­trieben werden? Und wie nutzt man schliesslich die damit verbun­denen Chancen? Die Kunst besteht darin, eine solide strate­gische Planung und eine pragma­tische Umsetzung in Etappen mitein­ander zu verbinden. Fakt ist, dass die Digita­li­sierung von Arbeits­pro­zessen heutzutage die Mehrheit der Unter­nehmen betrifft. An konkreten Beispielen wie Firmen ihre Geschäfts­ab­läufe mit digitalen Lösungen automa­ti­sieren, verein­fachen, beschleu­nigen und effizi­enter gestalten, fehlt es nicht. In der Gesamt­be­trachtung stellt man jedoch grosse Unter­schiede fest. Während einzelne Branchen und Firmen auf dem Weg der digitalen Trans­for­mation schon weit fortge­schritten sind, gibt es viele, die noch hinter­her­hinken. Das Problem: Unter­nehmen wissen nicht, wie das Thema Digita­li­sierung angegangen werden soll. Vor lauter Bäumen sehen sie den Wald nicht mehr, durch welchen man doch einen Weg finden sollte.

Die richtigen Fragen stellen.

Der Weg zum Erfolg beginnt, indem man sich auf die wesent­lichen Fragen konzen­triert. Es gilt, im Dickicht von Schlag­worten, Infor­ma­tionen und Hören­sagen ein Verständnis für die relevanten Aspekte zu entwi­ckeln. Es ist wichtig, einen Überblick der zielfüh­renden Optionen zu gewinnen – und dann die richtigen Schlüsse für das eigene Unter­nehmen zu ziehen. Nachfolgend fünf Fragen welche man sich stellen sollte:

Was ist unser Ziel?

Welche unter­neh­me­ri­schen Ziele stehen im Vorder­grund? Wo liegt für unser Unter­nehmen das grösste Potenzial, um auf lange Sicht Mehrwert zu schaffen und die Effizienz zu steigern? Wo stehen unsere Mitbe­werber? Welchen (Zusatz-)Nutzen wollen wir unseren Kunden bieten? Was bringt uns aus betriebs­wirt­schaft­licher Sicht vorwärts?

Wie ist das digitale Mindset der Mitar­bei­tenden?

Die digitale Trans­for­mation beginnt im Kopf. Wandel und neue Blick­winkel kann man nicht verordnen. Gerade in kleineren Organi­sa­tionen ist die Haltung der Betei­ligten ausschlag­gebend. Deshalb ist es wichtig, die Mitar­bei­tenden früh in den Prozess einzu­binden und auf die digitalen Verän­de­rungen zu sensi­bi­li­sieren, vorhandene Stärken zu nutzen und allfällige Wissens­lücken oder Wider­stände zu überwinden.

Wo stehen wir technisch heute?

Wie sind die verschie­denen Arbeits­pro­zesse heute mitein­ander verknüpft? Wo liegen Fehler­quellen, wo entstehen Reibungs­ver­luste, wo schlummert zusätz­liches Potenzial? Welche Infor­ma­tions- und Kommu­ni­ka­ti­ons­systeme stehen im Einsatz? In welchem Ausmass werden allen­falls schon ERP-Systeme (Enter­prise Resource Planning) genutzt, um unsere Wertschöp­fungs­kette zu kontrol­lieren und zu steuern?

Wo setzen wir Priori­täten?

In der Planung braucht es die nachhaltige Perspektive, eine Vision, die auf das langfristige Gedeihen der Firma in einem kompe­ti­tiven Umfeld ausge­richtet ist. Gleich­zeitig muss aber eine rasche Umsetz­barkeit sicher­ge­stellt sein. Es ist hilfreich den Trans­for­ma­ti­ons­prozess in Etappen einzu­teilen, die möglichst zeitnahe angepackt und dann schritt­weise umgesetzt werden können.

Welche Lösung passt wirklich zu uns?

Die Ausein­an­der­setzung mit Unter­neh­mens­zielen, Arbeits­pro­zessen, Priori­täten und Etappen mündet in der Suche nach dem richtigen Anbieter bezie­hungs­weise nach dem geeig­neten techni­schen System. Ein zentraler Erfolgs­faktor hierbei ist ein struk­tu­riertes, detail­liertes Anfor­de­rungs­profil. Es hält die sachlichen Ansprüche und die Priori­täten fest und verein­facht die Evaluation der optimalen Lösung erheblich. Dies ist umso wichtiger, da die Anzahl der Anbieter und Lösungen gross ist.

Warum externe Unter­stützung sinnvoll ist.

Es empfiehlt sich, für eine zielge­richtete Ausein­an­der­setzung mit den fünf skizzierten Fragen externe Experten beizu­ziehen: Spezia­listen, die sich einer­seits mit den Fakten und Möglich­keiten auskennen (Betriebs­wirt­schaft, Prozesse, IT- und ERP-Systeme), aber auch Faktoren wie Mitar­beiter und Kunden­optik einbe­ziehen, die in jedem Trans­for­ma­ti­ons­prozess eine wichtige Rolle spielen.

Bewährte Ansätze aus der Praxis.

Jedes Unter­nehmen ist einzig­artig. Dies gilt auch, wenn es um die digitale Trans­for­mation geht. Aber bei aller Unter­schied­lichkeit zeigen sich in der Praxis bestimmte Ansätze, an denen man sich orien­tieren kann, wenn man die Reise in die Digita­li­sierung startet:

  • Der Mensch steht an erster Stelle.

    An erster Stelle steht immer der Faktor Mensch. Deshalb gehört die Frage nach der digitalen Affinität und nach der Verän­de­rungs­be­reit­schaft der Mitar­bei­tenden früh auf den Tisch. Genauso wichtig ist diesbe­züglich die Kunden­seite. Es ist relevant zu wissen, wie die Kunden zur Digita­li­sierung stehen und was ihre Erwar­tungen (oder Befürch­tungen) sind. Sind sie beispiels­weise schon bereit, auf digitale Lösungen wie ein Kunden­portal zu wechseln?

  • Prozesse vor Tools.

    Ein weiterer zentraler Teilbe­reich ist die Aufar­beitung der Prozesse. Was für Grund­pro­zesse hat mein Unter­nehmen? Welche davon lassen sich in einem System aufzeichnen und/oder sogar verändern? Das geht vom vermeintlich banalen Postdienst bis hin zum Erstellen eines aussa­ge­kräf­tigen monat­lichen Finanz­re­portings. Diese Phase ist sehr komplex und kann vor allem bei KMU nur in Teilschritten und mit Unter­stützung von Dritten – die Entlastung und eine externe Sicht­weise gewähr­leisten – bewältigt werden.

  • Standard­lö­sungen statt Sonderwege.

    Erst wenn die zwei Themen­be­reiche Mensch und Prozesse geklärt sind, kommen die «Tools» ins Spiel, sprich die Softwares. Wer eine bestimmte Software als Ausgangs­punkt nimmt, zäumt das Pferd von hinten auf. Grund­sätzlich empfiehlt sich für KMU, bewährte und standar­di­sierte Lösungen zu wählen, welche somit eine solide Basis bietet. Es ist wichtig zu beachten, dass die Lösung in einem späteren Schritt weiter konfi­gu­riert oder sogar weiter­ent­wi­ckelt werden kann. Dies erlaubt dem Unter­nehmen die Software mit anderen Softwares sowie Systemen zu verbinden. Der Weg über eigene Program­mie­rungen und der damit verbundene Anpas­sungs­bedarf entpuppt sich fast immer als teure Sackgasse. Aber aufge­passt – auch bei der Beurteilung der Verkaufs­ver­sprechen, die Sie von den verschie­denen Anbietern hören, gehört eine erfahrene (externe) Fachperson mit an den Tisch! Ob Sie ein System wählen, das präzise zu Ihren Voraus­set­zungen passt oder nur so ungefähr, macht in der Imple­men­tierung einen entschei­denden Unter­schied.

Fazit: Digita­li­sierung braucht Klarheit, nicht Perfektion

Erfolg­reiche Digita­li­sierung von Arbeits­pro­zessen ist kein einma­liges Projekt, sondern ein konti­nu­ier­licher Weg. Unter­nehmen, die struk­tu­riert vorgehen, Menschen einbinden und in Etappen umsetzen, schaffen nachhal­tigen Mehrwert, ohne sich im Tool-Dschungel zu verlieren.